Die Legende um Isis und Osiris
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Shu und Tefnut gebaren zwei Kinder – Geb (Kronos), der Erdgott, und Nut (Rhea), die Himmelsgöttin. Nut und Geb waren heimlich ein Paar, heimlich - da Nut die Gattin von Re war. Die Göttin Nut war von Geb schwanger geworden. Gott Re bemerkte es und erbost verwünschte er seine eigene Frau, daß sie in keinem Monat und in keinem Jahr in der Lage sein sollte, Kinder zur Welt zu bringen.
Thoth (Hermes), der Gott der Wissenschaft, hatte Mitleid mit Nut, denn auch er war in Nut verliebt. Er suchte den Mondgott Khensu auf und spielte mit ihm das Brettspiels senet , das er gewann. Der Einsatz war der 70ste Teil seines Lichtes. Aus dem gewonnenen Mondlicht bildete Toth daraus fünf neue Tage, die er an das Ende des Jahres stellte und die zu keinem der bisherigen Monate gehörten. Die Ägypter nennen sie heute noch die „Darangehängten“ (Epagomenen) und feiern sie als die Geburtstage der Götter.
Da Re dies durch seinen sonst genau formulierten Fluch übersah, brachte Nut fünf Kinder zu Welt: Osiris, Heru-Ur (Haroeris), Seth (Typhon), Isis und Nephthys. Am ersten dieser fünf Tage wurde Osiris geboren. Am zweiten Tag wurde Heru-Ur geboren und am dritten Tag gebar Nut unter großen Schmerzen zur falschen Zeit und am falschen Ort – Seth. Am vierten Tag wurde Isis geboren und am fünften Tag Nephthys. Ra befahl Shu, sich zwischen die beiden zu stellen, damit sie nie wieder zueinander finden und weitere Kinder zeugen könnten.
Aus alten Quellen wird überliefert, das Osiris und Heru-Ur von Re stammen, Isis von Thoth und Seth und Nephthys von Geb. Auch wird behauptet, dass sich Osiris schon im Mutterleib in seine Schwester Isis verliebt haben soll. Und auf diese Weise Haroeris gezeugt worden sei. Obwohl Isis und Osiris Kinder von Nut und Geb waren, heirateten sie. Diese Praxis der Geschwisterehe war auch später bei den menschlichen Vertretern auf Erden weit verbreitet.
In der Welt der ägyptischen Götter war die Geschwisterliebe ein Gebot, denn nur so konnten die "Heiligen Säfte" erhalten werden.
Der Bruderhass und Mord an Osiris
Seth hasste seinen Bruder Osiris, denn Osiris war gütig und wollte nur großes Wohl für die Menschen auf Erden. Er brachte ihnen Handwerkskünste bei und lehrte sie, die Felder zu bestellen und Ackerbau zu betreiben. Er gab ihnen Gesetze und lehrte sie, die Götter zu verehren. Er lehrte sie auch Gesang und Musik und allerlei Künste. Seth war voll Neid auf Osiris, da er mit Isis vermählt war. Osiris war schön, klug und zärtlich. Sein Bruder war das Gegenteil, er war faul, böse und brutal. Isis war eine große Erfinderin, was ihr den Beinamen "klüger als eine Million Götter" einbrachte. Und da unter Isis und Osiris Herrschaft viele fremde Herrscher nach Ägypten kamen und sich freiwillig unter die Obhut Ägyptens stellten, steigerte dies nur seinen Neid.
Diese Zeit war eine Art Goldenes Zeitalter, denn die Ernten konnten dank der sanften Winde gedeihen und es herrschte Ordnung auf Erden und Gerechtigkeit.
Seth, der mit der wenig attraktiven Nephtys vermählt war und die Herrschaft an sich reißen wollte, schmiedete mit der nubischen Königin Aso und 72 menschlichen Regenten einen Plan, um sich Osiris zu entledigen.
Gemäß dem griech. Schriftsteller Plutarch (100 n. Chr.) und altägyptischen Quellen:
Seth lud Osiris zu einem großen Fest ein. Isis warnte Osiris vor einem möglichen Verrat, aber Osiris konnte sich nicht vorstellen, dass sein eigener Bruder sich gegen ihn stellen würde und nahm die Einladung an.
Während des Festmahls bot Seth seinen Gästen eine Lade als Geschenk an, mit der Voraussetzung, das derjenige genau hineinpassen müsse. Seth besorgte sich vorher heimlich die Körpermaße von Osiris und alle Gäste probierten es aus, doch nur Osiris passte hinein. Als sich Osiris in die Truhe hineinlegte, schlug Seth den Deckel zu, verriegelte ihn und umgab sie mit einer Bleischicht, damit sein Bruder nicht entkommen konnte. Dann versenkte er die Kiste im Nil und schickte sie durch die tanitische Mündung ins Meer. Dies soll geschehen sein im 28. Jahr von Osiris Regentschaft.
Als Isis davon erfuhr, schnitt sie sich eine Haarlocke ab und legte ihre Trauerkleidung an. Voller Trauer irrte sie umher und Kinder berichteten Isis von der Tat des Seth und das er die Truhe im Nil versank. Aus Dankbarkeit verlieh Isis allen Kindern der Welt daraufhin die Gabe, solche Wahrheiten auszusprechen, die ihre Eltern vergessen hatten ("Kindermund tut Wahrheit kund"). Isis machte sich auf den Weg und versuchte die Truhe im Nil zu finden. Während sie nach der Truhe forschte, erfuhr Isis, daß ihr Gemahl Osiris, im Glauben, es handle sich um Isis, mit ihrer Schwester ein Kind zeugte. Als Beweis fand sie bei Nephthys den Honigkleekranz, den er zurück ließ.
Isis suchte das Kind, das ihre Schwester gleich nach der Geburt aus Furcht vor Seth ausgesetzt hatte. Von Hunden geführt, fand sie es nach langem Suchen, zog es auf und behielt es bei sich; es erhielt den Namen Anubis und mußte für die Götter Wache halten, ebenso wie Hunde Menschen bewachen.
Ihr Weg führte sie weiter bis zur phönizischen Stadt Byblos. Dort wurde die Truhe an Land gespült und ein großer Baum wuchs an jener Stelle. Die Truhe war in dem mächtigen Baumstamm eingeschlossen worden und gerade diesen Stamm hatte Melkart, der Gottkönig von Byblos, fällen lassen, um ihn als Pfeiler in seinem Palast aufzustellen. ›› Weiter lesen

