Man folgt äußerst beschaulich dem Lauf des Flusses, die laute Welt des Niltals liegt in weiter Ferne. Das Leben an den Uferdämmen scheint sich seit Jahrtausenden nicht geändert zu haben. Üblich sind Trips von Assuan nach Kom Ombo (ein Tag), Edfu (drei Tage, zwei Nächte) oder Esna (vier Tage, drei Nächte), wobei die Edfu-Fahrt am häufigsten gebucht wird. Man könnte auch noch bis Luxor weiter segeln, das ist dann aber eher langweilig; hinzu kommt, daß viele Kapitäne (Feluken) keine Erlaubnis für die Weiterfahrt von Esna aus nach Norden besitzen.
Der beste Ausgangsplatz für eine Felukenreise ist Assuan, weil man von dort mit der Strömung flußabwärts treibt. Ein Boot zu finden, ist keine Schwierigkeit. Das Tourist Office (wie auch einige Hotels) bemühen sich um die Zusammenstellung von Gruppen. Erkundigen Sie sich am besten zunächst beim Tourist Office nach der aktuellen Lage. Auch wenn die dort vermittelten Touren teurer sind, so ersparen Sie sich u.U. viel Zeit und Nerven. Die Preise liegen - inkl. Essen, exkl. Wasser - ziemlich stabil bei LE 120 pP (2 Tage und 2 Nächte, wird allerdings als 3 Tage/2 Nächte verkauft).
Reisen mit der Feluka
Die Landschaft des Nils einmal von einer anderen Seite erleben
Tipps für das Segelvergnügen
Gewöhnlich teilen sich vier Personen ein kleineres, bis zu acht Mitfahrer ein größeres Boot. Laut Polizei dürfen pro Feluke nicht weniger als drei und nicht mehr als acht Fahrgäste befördert werden. Will man nur zu zweit reisen, wird ein Strohmann bis zur Polizeikontrolle geladen. Auf den Fahrpreis kommt noch eine Gebühr von LE 5 pP für eine Erlaubnis (Tasrih) der Touristenpolizei. Der Paß muß möglichst schon am Tag vor der Abreise bei der Polizei eingereicht werden (dauert ca. 1/2 Tag). Diese Maßnahme dient dem Schutz der Fahrgäste. Die Polizei in Assuan kontrolliert die Feluken schärfer als früher, sogar, ob Rettungswesten an Bord sind. Nehmen Sie möglichst eine größere Feluke, sie kommt besser voran und bietet mehr Platz. Nehmen Sie sich Zeit bei der Suche nach dem richtigen Boot und reden Sie eine Weile mit dem Kapitän, um ihn besser kennenzulernen und beurteilen zu können. Legen Sie die Bedingungen möglichst genau fest: Fahrtziel, Mindestfahrtzeit, Besichtigungsstops und -dauer (nur während Tageslicht!), kein Segeln über Nacht, kein Schleppen lassen von einem stinkenden Motorkahn, Preise etc.
Schauen Sie sich das Boot gut an, Sie werden viele Stunden hauptsächlich sitzend dort zubringen. Können Sie gut sitzen, gibt es ausreichenden Sonnenschutz und Decken für die Nacht? Der eigene Schlafsack (zusätzlich) ist die bessere Wahl, denn die Nächte werden vor allem im Winter ziemlich kühl bis kalt. Da man auf der Feluke unter freiem Himmel schläft, ein Moskitonetz mitnehmen (oder bei Anmietung entspr. vereinbaren). - Versuchen Sie, über Aushang in Hotels bzw. im Tourist Office Mitsegler zu finden.
Begleiten Sie den Kapitän beim Einkauf für die Reiseverpflegung oder kaufen Sie selbst ein. Dann wird es vermutlich billiger, und Sie können den eigenen Geschmack berücksichtigen. Kaufen Sie den Proviant schon am Abend vor der Abfahrt, sonst verlieren Sie zu viel Zeit. Weiterhin empfiehlt sich, Klopapier, Flaschen- und Dosenöffner und ein Buch für langweilige Strecken einzupacken. - Da das Wasser aus dem Nil geschöpft wird, sollten Sie einen eigenen Trinkwasservorrat (möglichst auch zum Abspülen) an Bord tragen - einen Durchfall auf der Feluke zu pflegen, dürfte eine besondere Erfahrung sein. Achten Sie darauf, dass nur mit Flaschenwasser gekocht wird.
Bei heftigem Sturm kommt eine Feluke ganz schön ins Schaukeln, dabei gingen bereits Rucksäcke über Bord . Nehmen Sie, bevor die großen Gepäckstücke unter Deck verstaut werden, alles für die Reise Notwendige heraus. Als beste klimatische Zeit (gute Brise, erträgliche Hitze) empfehlen sich die Monate Februar bis April und September bis Mitte November, während Dezember und Januar recht kühl sein können. - Für den fast absurden Fall, daß Ihr Boot nachts unterwegs ist, sollten Sie selbst unbedingt wach bleiben; denn der Kapitän wird sich wahrscheinlich schlafen legen und die Steuerung einer höheren Macht überlassen - die aber einen Zusammenstoß mit z.B. einem Kreuzfahrer vielleicht auch übersehen könnte. Es soll auch Kapitäne geben, die bei später Ankunft in Kom Ombo die zeitraubende Besichtigung am nächsten Tag dadurch abkürzen, daß sie nachts heimlich weiter schippern. Also aufpassen!
Bedenken Sie, daß Sie mehrere Tage jede Sekunde lang mit Ihren Mitreisenden zusammen sein werden; wenn man dann nicht einigermaßen gut miteinander auskommt, kann der Trip zum Trauma werden. Es gab schon bösen Streit, weil einige ein Sonnendach haben, andere lieber in der prallen Sonne liegen wollten. - Leisten Sie möglichst keine oder höchstens 50% an Vorauszahlungen. Versuchen Sie, mit dem Broker ein Stück Papier in arabisch zu verfassen, das Dauer und Bedingungen regelt und dieses vom Hotelrezeptionisten oder Tourist Office gegenlesen zu lassen. Ob das gelingt und hilft, ist eine andere Frage. Geben Sie Ihren Pass nicht aus der Hand, sondern gehen Sie selbst mit dem Kapitän zur Polizei. Denn wenn der Kapitän oder Broker Ihren Pass hat, sind Sie ihm ausgeliefert: Er kann weitere Mitfahrer suchen, verspätet abfahren etc. - Vielleicht gelingt es, das Boot nicht entfernungsabhängig zu mieten, sondern zeitabhängig für einen gemütlichen Trip von z.B. vier Tagen bis Edfu. Dann hetzt der Kapitän nicht, Sie können auf längeren Pausen und Nachtplätzen abseits der üblichen Ankerplätze (an denen es manchmal laut hergeht) bestehen. Andererseits kann es vorkommen, daß der Kapitän Sie gnadenlos an Land setzt, wenn die vereinbarte Zeit abgelaufen ist, unabhängig von der bewältigten Strecke. Achtung: Manche Kapitäne argumentieren, die Tasrih sei abgelaufen; das stimmt nicht, sie ist zeitlich unbegrenzt. Wenn Sie der Kapitän gegen Ihren Willen an Land setzen will, drohen Sie mit der Touristenpolizei.


