Etwa 5 km südlich von Assuan liegt flussaufwärts der, von britischen Besatzer von 1882 bis 1902 errichtete Staudamm, arabisch El-Sadd genannt, der zur Zeit seiner Entstehung als größte und bis zur Fertigstellung des Sadd el-Ali im Jahre 1971 längste Talsperre der Welt dazu bestimmt war, die alljährliche Nilflut aufzuhalten, um sie über das ganze Jahr hinweg gleichmäßig verteilt wieder abzugeben. Hierdurch wurde erstmals eine ganzjährige Bewässerung des Fruchtlandes möglich; die landwirtschaftliche Anbaufläche konnte erweitert und die Zahl der Ernten auf zwei- bis dreimal jährlich erhöht werden. Über 500 km staute er den größten, von Menschen erzeugte See.
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Hochdamm von Assuan
Fortschrittswahns der sechziger und siebziger Jahre mit Folgen
Der von dem britischen Ingenieur Sir William Willcocks, dem Erbauer der Stauanlage von Assiut, geplante und durch die englische Firma John Aird & Co. ausgeführte Dammbau, ist aus Blöcken von Assuangranit geschichtet und durchquerte den Strom zunächst in gerader Linie auf einer Länge von 1960 m; seine ursprüngliche Höhe betrug 40 m, die Breite an der Sohle 30 m, an der Krone 7 m. Da der alte Damm aber zu niedrig war und die regelmäßigen Fluten nicht aufhielt, musste ein neuer her. Zur Realisierung dieses Projektes boten Großbritanien, die USA und die Weltbank finanzielle Hilfe an. Als die Westmächte infolge der Neutralitätspolitik Gamal Abdel Nasser 1952 ihre finanziellen Zusagen rückgängig machten, suchte Nasser durch die Verstaatlichung des Suezkanals` einen Teil des umgerechnet 2,2
Milliarden Euro teuren Projekts aufzutreiben. In die entstandene Lücke sprang die Sowjetunion ein und trug durch die Gewährung von Kredithilfe und den Einsatz von etwa 2000 Ingenieuren, technischen Hilfskräften und Maschinen schließlich zur Verwirklichung des Vorhabens aufgrund der modifizierten deutschen Pläne bei. Am 9.Januar 1960 begannen die Bauarbeiten, am 14. Mai 1964, Staatschef Nikita Chruschtschow war ebenso anwesend, konnte der Umleitungskanal am östlichen Nilufer eröffnet werden. Die Einweihung des Hochdammes erfolgte schließlich am 15. Januar 1971 in feierlichem Akt. Annähernd 35 000 Arbeiter und Ingenieure waren beteiligt, 451 Menschen verloren bei diesen Bauarbeiten ihr Leben.
Rettung der Tempel
Zwischen Assuan und Abu Simbel säumten zahlreiche Tempelanlagen die Ufer des Nils. 1964, im selben Jahr wie die erste Einweihung, wurde der See das erste Mal geflutet. Dank einer internationalen Zusammenarbeit unter der Schirmherrschaft der UNESCO wurden mehrere jahrhundertealte Monumente abgetragen und in den Museen Berlin, Leiden, Madrid, New York und Turin wiederaufgebaut. Die wichtigsten pharaonischen Bauten, darunter Abu Simbel, konnten an andere Orte versetzt werden. Andere Bauwerke und ein großer Teil der alten nubischen Kulturstätten sind für immer verloren gegangen, z.B. die Festung von Buhen aus dem 2. Jahrtausend vor Christus.
Kalabsha Tempel
Der Kalabsha-Tempel ist der Göttin Isis - deren Barke bei Festen am Kai fest machte - geweiht. Die Geschichte des Tempels reicht bis in die 18. Dynastie unter Amenophis II. zurück. Vollendet wurde der Tempel 14 n. Chr. unter Kaiser Augustus. Auch der Kalabsha Tempel wurde von 1961-1963 von der Firma Hoch-Tief unter der Schirmherrschaft der UNESCO vor den Fluten des Nassersees gerettet und vom ca. 50 km südlich im Ort Talmis am Bab el Kalabsha gelegenen ehemaligen Standort auf eine westlich des Sees gelegene Granitgruppe, nur ca. 1 km südlich des Hochstaudamms verlegt. Der Kalabsha Tempel ist eher rar besucht, zumeist starten hier die Nasserseekreuzfahrten, dann tummeln sich hier für kurze Zeit zahlreiche Touristen. An der westlichen Außenmauer des Heiligtums sollte man sich das Relief anschauen: Mandulis der Gekrönte beschützt von der Uräus-Schlange. Tgl. von 7-18 Uhr; 25 LE incl. Tempel Beit el Wali.
Fatale Spätfolgen
Seit Fellachen in Ägypten Landwirtschaft betrieben, gab der Fluss den Rhythmus für die Feldarbeit vor. Jetzt schwankt der Wasserstand nicht mehr wie früher und der Boden versalzt. Trockener Wüstenboden im Niltal wird jetzt nicht mehr durch fruchtbaren Nilschlamm ersetzt, der Boden erodiert, weil die Sedimente fehlen und wird weniger fruchtbar. Die ökologischen Probleme, wenn reichen Bauern chemische Düngemittel auf ihren Böden ausbringen, sind durchaus ernst zu nehmen.


