Das koptische Viertel von Kairo
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Hinter alten Festungsmauern verbirgt sich das koptische Viertel (Masr al-Qadima) im Zentrum Alt Kairos. Schon lange vor der römischen Eroberung soll dort, wo sich heute Alt-Kairo befindet, eine bedeutende pharaonische Siedlung bestanden haben. Deren antiker Name Babylon ist eine Ableitung vom altägyptischen Pi-Hapi-n-On, "Haus des Hapi", eines Nilgottes. Der Legende nach christianisierte der Evangelist Markus im Jahre 40 Ägypten. Während der Herrschaft von Konstantin dem Großen (324-337) nahmen zahlreiche Ägypter den christlichen Glauben an , der sich zuerst in der jüdischen und griechischen Bevölkerung ausgebreitet hatte.
Von einer koptischen Kirche kann man jedoch erst ab 451 sprechen, als aus dem Konzil von Chalkedon am Bosperus der Streit zwischen den monophysitischen Christen und den Dyophysiten zugunsten der Anhänger der dyophysitischen Lehre entschieden wurde.
Die ägyptischen Christen lehnten die Entscheidung des Konzils ab und bekannten sich zum Monophysitismus, nach dessen Lehre in Christus die göttliche und die menschliche Natur zusammenkommen, wobei die menschliche der göttlichen untergeordnet ist. Nach der Unterdrückung durch die byzantinische Herrschaft begrüßten die Kopten die Muslime zunächst als Befreier, sahen sich jedoch bald getäuscht: Wer nicht zum Islam konvertierte, mußte eine Sondersteuer zahlen und unterlag besonderen Kleidervorschriften und Erbschaftsregelungen. Klöster wurden geschlossen, die koptische Sprache war nur noch in der Liturgie erlaubt.
Nach Aufständen in den Jahren 725-739 schworen zahlreiche Kopten dem christlichen Glauben ab und traten zum Islam über.
Die koptische Minderheit, die wieder Diskriminierungen ausgesetzt ist, lebt hauptsächlich in Mittelägypten zwischen Minia und Assiut. Das wichtigste Kloster der Kopten liegt im Wadi Natrun. Zu erreichen ist das Viertel am einfachsten mit der Metro (Haltestelle Mar Girgis, Richtung Helwan, etwa 60 Piaster).
Kirche El Muallaka (Die hängende Kirche)
Der Name der Kirche beim Koptischen Museum geht auf ihre Lage über den südwestlichen römischen Tortürmen zurück. Sie ist die stimmungsvollste koptische Basilika Alt-Kairos. Geweiht ist sie der heiligen Maria. Die Kirche soll im 5. oder 6. Jh. erbaut worden sein als eines der ältesten christlichen Gotteshäuser von Fusta und gilt als eine der schönsten Kirchen Ägyptens. Sie wurde über dem Südwesttor des römischen Kastells errichtet. Dessen Türme, die mit Palmstämmen und einer Steinschicht bedeckt sind, bilden nun den Boden der Kirche. Nach ihrer Zerstörung im 9. Jh. wurde sie im 11. Jh. neu errichtet und im Laufe der Jahre wurde sie immer wieder verändert und erweitert. Einen Besuch in diese stimmungsvolle koptische Kirche sollte man nicht versäumen. Täglich von 9 - 16 Uhr, Fr 9-11 und 13-16 Uhr. An der U-Bahnstation Mari Girgis, £E 16.
St. Georgskloster (Mari Girgis)
Das Kloster befindet sich im ältesten Teil Kairos. Hier befinden sich die Gebeine St. Georgs in einer Urne aus Zedernholz.Nebenan in der Ben Ezra-Synagoge ( 9.Jh. ) führt ein Wärter den Besuchern eine wichtige Sammlung von hebräischen Schriftrollen vor, darunter eine 2500 Jahre alte Thora.
Hier soll der kleine Moses von der Tochter des Pharaos im Schiff gefunden worden sein und später vor dem Auszug seines Volkes aus Ägypten gebetet haben.
Studenten und sonstige Freiwillige führen gerne durch die Kirche, einen lohnender Service für Touristen.
St. Sergius und Bacchus Kirche
(auch Kanistat Abu Sarga) Kirche aus dem 4. Jahrhundert und älteste Kirche Kairos. Nachdem sie im 8. Jh. zerstört worden war, baute man sie vom 10. zum 11. Jh. neu auf. Hinter der Marmorkanzel zeigt eine bewundernswerte Ikonenwand Christi Geburt. In der teils (noch) im Grundwasser liegenden Krypta hat der Legende nach die Heilige Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Station gemacht. Die Kirche ist den Märtyrern Sergius und Bacchus geweiht, die als Soldaten unter Maximilian dienten. Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika: Das Mittelschiff ist durch Säulen, auf denen Spitzbogenarkaden ruhen, von den flachgedeckten Seitenschiffen getrennt. Ikonostasen mit wundervollen Elfenbeinverzierungen schließen die drei Sanktuarien ab. Der Originalaltar ist im Koptischen Museum ausgestellt.
Kirche der Heiligen St. Barbara
Östlich der Sergius-Kirche. Die Kirche wurde zur Erinnerung an die Märtyrerin Barbara im 5. Jahrhundert in Form einer Basilika gebaut und im 7. Jh. und 10. bis 11. Jh. unter Beibehaltung ihres ursprünglichen Holzportals, eines der feinsten Kunstwerke der Zeit, umgebaut. Der überwiegende Teil der Holzschnitzereien wurde ins Koptische Museum gebracht. Im Inneren der Kirche ist eine Ikonostase aus dem 13. Jh. aus kunstvoll verarbeitetem Holz mit Elfenbeinintarsien zu sehen. Die Ikonengalerie zeigt die Gottesmutter, Jesus und verschiedene Heilige. Am Ende der Hara Sitt Barbara befindet sich das St, Barbara-Kloster, das aus mehreren Gebäuden besteht. Die klostereigene Schule wurde 1960 von dem Architekten Ramses Wissa Wassef entworfen.
Kirche der Jungfrau Maria
Am Ende der Atfa Mari Girgis befindet sich die Kirche aus dem 9. Jh., die im 18. Jh. wiedererrichtet wurde. In koptischen und arabischen Schriften wird die Kirche seit dem 17. Jh. Kanistat el-Asra Kasriat el-Rihan, "Kirche der heiligen Jungfrau des Basilikum-Topfes", genannt.
Die Kirche ist seit einem Brandanschlag in den 70er Jahren immer noch geschlossen. Wenn Sie die Sh. Mari Girgis Richtung Amr-Moschee gehen, finden Sie links von ihr in der Nähe das koptische Kloster des Hl. Mercurius. Direkt an der Kreuzung zur Sharia Aly Salim, hinter hohen Mauern, sehen Sie einen Komplex aus drei alten koptischen Kirchen.
Die drei Kirchen Mercurius, Anba Shenuda und El Adra Damjirja sollen aus dem 4 Jh. stammen, eher aber aus dem 7./8. Jh.
Koptisches Museum
Täglich von 9 - 16 Uhr, Fr 9-11 und 13-16 Uhr. An der U-Bahnstation Mari Girgis, Eintritt £E 30. Gegründet 1910 von Morkos Pascha Simaika. Das Gebäude wurde zu Beginn unseres Jahrhunderts unter Einbeziehung altkoptischer Architekturteile errichtet und später erweitert. Der Besuch des Museums ist ein Vergnügen, da die Sammlung mit Exponaten vom 3. - 18.Jh bewußt klein gehalten ist. Besonders sehenswert sind die Textilien, Ikonen, Bibelhandschriften, Gobelins, Glasarbeiten, Fresken sowie Apside, darunter Darstellungen der Apokalypse und des Sündenfalls Adams und Evas. Neben vielen Exponaten zur sakralen Kunst sind Kunsthandwerksartikel und Gerätschaften des täglichen Gebrauchs zu sehen. Wenige Meter südlich des Museums befindet sich die Kirche Al Moallaka, deren Besuch sich ebenfalls lohnt.
Amr Ibn Al-As-Moschee
Sie befindet sich in der Sharia mari Girgis, ca. 300m nördlich des koptischen Viertel. Mohamed, der Begründer des Islam, verließ 622 Mekka, zog nach Medina. Mit diesem Jahr begann zugleich die islamische Zeit-Rechnung. Nach Ägypten kam die neue Religion erst 20 Jahre später. Feldherr Amr Ibn Al-As eroberte unter dem Banner des Propheten Mohamed 642 mit seiner Beduinen-Armee das Land. Im Süden des heutigen Kairo schlug er sein Heerlager auf, gründete dort El-Fustat, die erste islamische Hauptstadt Ägyptens. Er ließ die erste Moschee auf dem afrikanischen Kontinent errichten, die Amr Ibn Al-As Moschee. Sie ist die älteste Moschee Ägyptens und war mit ihrer einfachen Bauweise ein Vorbild für die Bauten nachfolgender Epochen. Die Moschee ist auch unter die Namen Ma,em, Taj al-Jawamie und Masjid Al ar-Rayah bekannt.

