Das moderne Kairo
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Mit etwa 70 Millionen Einwohnern (etwa 17 bis 18 Millionen allein in Kairo) besitzt Ägypten heute mehr als viermal so viele Menschen wie im Jahre 1927 und um 41 Millionen mehr als 1966. Täglich pendeln etwa drei Millionen Menschen in die Stadt. Menschenmassen, denen man schon lange nicht mehr gewachsen ist. Die Bevölkerungsexplosion gehört zu den brennendsten Problemen des Landes.
Die Sozialstruktur des Landes ist gekennzeichnet durch die krassen Unterschiede zwischen der dünnen, aber sehr reichen Oberschicht, dem bescheiden lebenden Mittelstand und der überwältigend großen Masse an praktisch mittellosen Menschen, die in primitivsten Verhältnissen leben. Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot haben kaum vorstellbare Ausmaße erreicht. Die verkehrsgünstige Lage an der Drehscheibe zwischen Südeuropa, Orient und Schwarzafrika ließ Kairo schon früh zu einem wichtigen Handelszentrum werden.
Wichtigste Produktionszweige sind die Metallverarbeitung, die Herstellung von Textilien, Schuhen, Möbeln und Tabakwaren sowie das Druckgewerbe.
Die Stadt ist als bedeutendstes Geschäftszentrum des Nahen Ostens Sitz zahlreicher Konzerne und Wirtschaftsorganisationen. Darüber hinaus ist der Tourismus von herausragender
Bedeutung. Der internationale Flughafen befindet sich nordöstlich von Kairo. Die Einwohnerzahl der ägyptischen Hauptstadt stieg während der vergangenen Jahrzehnte rapide. Ein wichtiger Grund hierfür ist neben den hohen Geburtenraten auch die zunehmende Landflucht. Um das ständige Bevölkerungswachstum auffangen zu können, wurden um Kairo herum bereits einige so genannte Entlastungsstädte errichtet. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 6,8 Millionen, in der gesamten Agglomeration leben rund 15 Millionen Menschen. Kairo ist politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Ägyptens und des Nahen Ostens.
Die Stadt ist Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments, aller staatlichen und religiösen Zentralbehörden sowie zahlreicher diplomatischer Vertretungen. Sitz der weltweit renommierten islamischen Hochschule Al-Azhar und des Papstes der koptischen Kirche; Bildungszentrum; Sitz zahlreicher Forschungseinrichtungen; Zentrum des arabischen Buchmarkts sowie Sitz großer Bibliotheken und Museen; Zentrum der Filmindustrie und des Fernsehens; Sitz des einzigen Opernhauses in der arabischen Welt.
Die Wohnungsnot ist groß. Überall am Rand der Stadt entstehen illegale Siedlungen in denen die Familien ohne Strom, Wasser und Abwasserversorgung hausen - eine katastrophale Situation.
Früher ein Steinbruch, heute eine Siedlung - im Wadi Pharaon - im Tal der Pharaonen. Seit etwa zehn Jahren leben hier Menschen zwischen Steinen und Geröll. Werden aber Häuser hingebaut, so werden sie alsbald wieder abgerissen, da man, so hiesse es, auf Staatsland nicht bauen darf. In Kairo zu wohnen können sich viele aber nicht leisten.
Das Viertel, das als Kairos Zentrum (Uast el-Balad) angesehen wird, erstreckt sich von der Altstadt bis zum Nil. Anfang des 19. Jh. war dieses Gebiet noch unbebaut. Mohammed Ali ließ das Gebiet aufschütten, sein Sohn Ibrahim legte dort Obstplantagen an. Entlang dem Fluß begann er mit dem Bau einer ersten Palastanlage. Sein Bruder Said, der von 1854 bis 1863 regierte, führte das Werk fort und ließ gleich bei seinem Regierungsantritt den Kasr el-Nil Palast errichten. 1867 wandelte man unter Ismail Pascha die Plantagenwege in Straßen um und teilte das Land in Parzellen auf. Diese Grundstücke wurden jedem überlassen, der dort ein Wohnhaus errichten wollte. Der Aufbau dieses Viertels war Teil eines Programms zur Entwicklung der Stadt, durch das anläßlich der Eröffnung des Suezkanals die Stadt erweitert und modernisiert werden sollte. Das Viertel wurde damals nach seinem Begründer Ismailija genannt. Zu Beginn des Jahrhunderts setzte ein Bauboom ein, und es ließen sich zunehmend Europäer in dem Viertel nieder.

