Ägypten Wissen

Weiterreise mit dem Auto

 

Die unabhängigste und sicherlich beste Art durch das Land am Nil zu reisen, ist die Fahrt mit dem eigenen PKW. Entweder mit einen Leihwagen, den man sich in Kairo, Port Said oder Alexandria besorgen kann, oder man bringt es selbst mit. Auf den ersten Blick chaotisch und vielleicht auch furchteinflößend wirkt das Verkehrsverhalten der Ägypter auf den Besucher aus Europa, doch Angst braucht man wirklich keine zu haben - wichtig ist nur, daß man sich von seinen an unumstößlichen Regeln gebundenen Fahrschul-Vorstellungen löst und sich an die ägyptische Art, Auto zu fahren, gewöhnt.

ÄgyptenRechtsverkehr - Das Straßennetz ist für ein Entwicklungsland hervorragend ausgebaut. Alle Regionen des Landes sind - teilweise durch vierspurige Schnellstraßen - an das Straßennetz angeschlossen, und nur bei Fahrten in abgelegene Dörfer oder zu Ruinenstätten am Rande der Wüste muß man sich mit Schotterpisten begnügen. Auch die Versorgung mit Benzin bereitet heute im Erdöl-Förderland Ägypten keinerlei Probleme mehr, sofern man nicht auf hohe Oktanzahlen angewiesen ist.
Da es in den ländlichen Regionen des Landes - im Gegensatz zu Kairo - keine amerikanischen Luxuskarossen gibt und auch der bekannte Stern aus deutschen Landen selten zu sehen ist, beschränkt sich das Angebot der Tankstellen dort meist auf Diesel (arab.: Sûlâr) und Normal-Benzin mit 80 Oktan (arab.: Thamanîn).

Das Super-Benzin mit 90 Oktan (arab.: Tis’În) führt man dagegen nur in den größeren Städten. Auch abseits der Nationalstraßen gibt es aber überall Tankstellen, und in Notfällen existiert fast in jedem größeren Dorf eine - wenn auch unkonventionelle - Versorgungsmöglichkeit. Auf Schwierigkeiten bei der Benzinversorgung stößt man allenfalls noch auf einer Fahrt durch die Westliche Wüste (in Qasr Farafra gibt es keine Tankstelle, und auch in Al-Baharya muß man manchmal auf den überfälligen Tankwagen warten) und im südlichsten Abschnitt der Küste des Roten Meeres, wo nur sehr wenige Autos verkehren. - Ganz im Gegensatz zur Benzinversorgung stehen die technischen Kenntnisse des Tankstellen-Personals. Kontrollen des Kühlwassers und von Motor -und Getriebeöl führt man besser selber durch, da kaum ein Tankwart weiß, welche Flüssigkeit in welchen Behälter gehört. Ein Angebot an Reperaturwerkstätten in nur im Großraum Kairo und in Alexandria zu finden, wo auch Original-Ersatzteile erhältlich sind. Ansonsten ist man auf das Improvisationstalent und den Erfindungsreichtum der in jedem Dorf vorhandenen Mechaniker angewiesen, die zwar ein außerordentliches Geschick aufweisen, aber in der Regel ihre Kenntnisse von der Arbeit an rumänischen Traktoren erworben haben und über keine Erfahrung mit komplizierten Motoren verfügen. Die Geschwindigkeitsgrenze ist gewöhnlich 80km/h auf Landstrassen, 50km/h innerhalb geschlossener Ortschaften und 90km/h auf den Autobahnen von Kairo nach Alexandria (es gibt beträchtliche Geldstrafen für Geschwindigkeitsüberschreitung). Wenig beachtenswert sind dagegen die bei uns so wichtigen Verkehrszeichen. Das idiotischste davon steht an den Wüstenstraßen und weist in drei Sprachen darauf hin, daß Ausländer die Hauptstraße nicht verlassen dürfen. Es hat genauso wenig Bedeutung wie die vielen Stopschilder, die an jedem der zahlreichen Kontrollposten, die die Papiere der Taxis und der Transportfahrzeuge überprüfen sollen, aufgestellt wurden. Auch auf andere Verkehrsschilder sollte man sich nicht unbedingt verlassen, da selbst Wegweiser manchmal in die falsche Richtung zeigen.

Ein internationaler Führerschein und Versicherungsnachweis werden benötigt. Ein Carnet de Passage oder die Hinterlegung einer ähnlichen Sicherheit ist für die vorübergehende Einfuhr eines Automobils erforderlich. Bei der Einreise mit dem eigenen Auto erhält man die ägyptische Zulassung und Versicherung nur für die Zeit, für die die Aufenthaltserlaubnis gilt, also 4 Wochen. Wer länger bleiben will, läßt sich bereits zu Hause ein Multiple-Entry-Visum mit 3 Monaten Aufenthaltsdauer ausstellen.
Alle Fahrzeuge (einschl. Motorräder) sind gesetzlich verpflichtet, einen Feuerlöscher und ein rotes Warndreieck mitzuführen. Wer von Pannen und Reperaturen verschont bleibt, der kann dem ägyptischen Straßenverkehr sicherlich sehr viel Positives abgewinnen. Generell gelten zwar die selben Regeln wie bei uns, doch tatsächlich bestehen andere Gesetze. Das Verhalten der ägyptischen Fahrer ist dabei, so chaotisch es auch auf den ersten Blick scheinen mag, hervorragend den sich verändernden Verkehrssituationen angepaßt und v.a. von gegenseitiger Rücksichtsnahme geprägt. Eine Ausnahme bilden lediglich die Fahrer der Busse und Sammeltaxis ("fliegende Särge"), die auf den Überlandstraßen, insbesondere im Niltal, verkehren. Hier wird in einem überaus rasanten Stil gefahren, den die unzähligen Autowracks entlang der Strecke allzu deutlich dokumentieren. Unter dem Zwang, möglichst schnell sein Ziel zu erreichen, wird auch in unübersichtlichen Situationen überholt - im Vertrauen auf Allah und im festen Glauben, daß sowohl der Überholte als auch der Entgegenkommende äußerst rechts fahren werden, um eine dritte Spur zu schaffen. Meist geht es gut, doch wehe, wenn aus beiden Fahrtrichtungen solche Überholmanöver durchgeführt werden und sich auf einmal vier Fahrzeuge begegnen! Besonders schlimm ist es nach Sonnenuntergang, wenn trotz fehlender Fahrbahnmarkierungen die meisten Fahrzeuge ohne Licht unterwegs sind. Um andere nicht zu blenden, fährt man in Ägypten nur mit Standlicht (sofern die Scheinwerfer überhaupt funktionieren). Hat man erkannt, daß ein Fahrzeug entgegenkommt, blendet man kurz auf, um sich bemerkbar zu machen, und schaltet gleich anschließend das Licht völlig aus. Im "Blindflug" fährt man nun aneinander vorbei. Daher eine ganz eindringliche Warnung: Fahren Sie niemals in der Dunkelheit außerhalb der Städte!

in den Wüste-Regionen wird ohne passende Fahrzeuge und einen Führer nicht empfohlen. Für mehr Details, wenden Sie sich an den Ägyptische Auto-Klub in Kairo. Offiziell ist das Reisen in der Libyschen Wüste abseits der Oasenstraße nicht erlaubt. Genehmigungen (Tasrih) können Sie bei der Military Intelligence Group, 26 Sharia Manshia el Bakry, Kairo-Heliopolis beantragen. Oder bereits in Deutschland besorgen lassen und muß zur endgültigen Abholung in Kairo lediglich den Paß mit Einreisestempel vorlegen, was 2 - 3 Stunden in Anspruch nehmen kann. Bei diesem nicht ganz billigen Service erspart man sich Laufereien, Zeit und Nerven und kann damit rechnen, ein gültiges Papier in Händen zu halten.
Kontakt: Pharao Tours, Frau Awad, Siedlerstr.5, 63165 Mühlheim, Tel 06108 71043, pharaotours@aol.com oder Touristik Service Ulrike Busch, Schiefe Güntke 5, 49090 Osnabrück, Tel 0541 62021 Ulrike.Busch@ub.uni-osnabrueck.de - Hier können Sie auch individuelle Buchungen (Hotels, Mietwagen etc.) vornehmen. Für mehr Informationen zu Reisen in die Libysche Wüste: ›› Weiter lesen

 
 
 

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